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C27: Im Reisewagen über Schweizer Alpenpässe

Der «Berg-Landauer» und seine Geschichte

Im Zentrum dieses Fachartikels steht ein genuines Schweizer Kutschenmodell, genannt grosser Reisewagen, Familien-Reisewagen, Cabriolet- oder Berg-Landauer. Wie die Namen sagen, wurden solche Wagen für mehrtägige Exkursionen im alpinen Gebiet der Schweiz eingesetzt. Das Aufkommen dieses Fahrzeugmodells in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hängt eng mit den ab 1805 eröffneten Fahrstrassen über Schweizer Alpenpässe und dem Aufkommen des Tourismus in dieser Zeit zusammen.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden in bekannten Touristenorten wie St. Moritz die bekannten Hotelpaläste für gut betuchte ausländische Familien, die dort im Sommer länger die Schweizer Alpenwelt genossen. Dazu gehörten mehrtägige Reisen bis an die oberitalienischen Seen. Dafür boten Hotels und Fuhrhaltereien die entsprechenden Kutschen und Gespanne an. Vor diesem Hintergrund entstand der sechs- oder achtplätzige Schweizer Reisewagen, eine Art gestreckter Landauer mit ein oder zwei Zusatzbanketten. Der ganze Wagen war offen konzipiert, Lederverdecke boten den Reisenden Schutz bei schlechtem Wetter. Das über 1000 kg schwere Fahrzeug wurde von vier oder fünf Pferden gezogen.

Weil die Schweizer Fahrpost als Monopolbetrieb Dritten den Pferdewechsel auf längeren Strecken verbot, waren die Reisewagen privater Anbieter über Tage mit der gleichen Bespannung unterwegs. Das gab den Reisenden Gelegenheit, die Alpenlandschaft auf gemächlicher Fahrt zu geniessen. Sie liessen ihre teuer bezahlten Ausflüge gerne von lokalen Fotografen als Erinnerung zu Hause verewigen. So kam es zu Fotoserien, die hier systematisch ausgewertet werden, vor allem des Ateliers Lienhard & Salzborn in St. Moritz.

Das Reisen in Mietwagen erreichte seinen Höhepunkt in der Belle Epoque, also in den Jahrzehnten um 1900, und fand mit dem Ersten Weltkrieg ein abruptes Ende. Nach dem Krieg lösten die Eisenbahn und das Automobil den Einsatz der pferdebespannten Reisewagen ab. Geblieben sind bis heute Tagesausflüge in Kutschen und vor allem romantische Schlittenfahrten im Winter.

Von den ehemals einigen Dutzend grossen Schweizer Reisewagen haben sich fünf Exemplare in Privatsammlungen erhalten. Diese werden hier erstmals zusammen vorgestellt.

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