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Der Goldschatz von Erstfeld: Neuer Ansatz

Bislang wurde der früh­keltische Gold­schatz von Erstfeld des 4. Jh. v. Chr. als Weihe­fund in Zusammen­hang mit der Begehung des Gotthard­passes gedeutet. Weil diese An­nahme einem neuen Fakten­check nicht stand­hält, wird ein anderer An­satz vor­ge­schlagen: Die Opferung fand des­halb an jener Stelle statt, weil dort der Berg­bach Reuss durch die Klus von Erst­feld die wilde Berg­welt ver­lässt und von dort an als Fluss breit in den flachen, vom Vier­wald­stätter­see her zu­gäng­lichen flachen Tal­grund mäandert. Die Reuss ist das Gewässer, das einen guten Teil des Schweizer Mittel­landes durch­fliesst und frucht­bar macht. Damit wird ein direkter Bezug des Hort­fundes zu den Kelten des Mittel­landes her­ge­stellt, die nach den For­schungen Martin Guggis­bergs für die Her­stellung und Opferung der wert­vollen Gold­ringe ver­ant­wortlich waren.

Im Rahmen dieses neuen An­satzes wird der Gold­fund von Erst­feld als eine Art Quell- oder Gewässer­hort im weiteren Sinne ver­standen, eine alte Tradition früher Kelten. Im Rahmen der neuen Deutung stellt sich die Anschluss­frage nach Bezügen zu den Themen Fluss und Frucht­bar­keit. Diese vereinigte der Fluss- und Wasser­gott Acheloos (Ἀχελῷος) in sich, eine heute weniger bekannte antike, aber besonders während des 5. und 4. Jh. v. Chr. im mediterran-griechischen und im etruskischen Kultur­raum vielfach verehrte Gott­heit.