C20: Der Schweizer Patentwagen von Seitz
Ein Beitrag zum Kutschenbau in der Ostschweiz um 1900
In der Schweiz wurden nach dem Aufkommen des Automobils um 1900 weiter neue Kutschen gebaut. Dazu gehörte vor allem das Modell Klapp-Break, eine Weiterentwicklung des französischen Klapp-Phaetons. Die besonderen Kennzeichen dieses vor allem in der Ostschweiz verbreiteten Wagens sind:
- Ausführung in Naturholz in guter handwerklicher Arbeit.
- Leichte und hohe Bauart hauptsächlich für einspänniges Fahren.
- Hintere Kasten mit zwei einklappbaren Längsbänken.
- Die Sitztafeln der hinteren Bänke dienen geschlossen als Deckel.
Eine besondere Variante des Klapp-Breaks stammt von der Wagenbaufirma Seitz am Bodensee in Emmishofen bei Kreuzlingen. Sie wurde von Xaver Seitz, der sich länger in Paris weiter ausgebildet hatte, und seinem Bruder Baptist Seitz 1896 patentiert. Neu daran war der austauschbare kleine Kasten über den Hinterrädern (Bild rechts). Dieser Patentwagen wurde in der Deutschschweiz auch durch Dritte vertrieben; kleinere Wagnereien und Schmiede bezogen seit der Zeit um 1900 ganze Wagen oder grössere Teile davon zunehmend bei darauf spezialisierten, grösseren Betrieben. Diese konnten – wie Seitz – die sogenannten Rohbauwagen mit neuen, dampfbetriebenen Maschinen kostengünstiger und nach den neuen Prinzipien des Leichtbaus trotzdem solid gefertigt produzieren.
Um 1900 begannen sich auch in der Schweiz vermögend gewordene Einzelpersonen, darunter auch viele Landirte, eigene Personenwagen zuzulegen. Diese mussten verschiedene Funktionen – vom sportlichen Selbstfahrer bis zum Familienwagen – erfüllen und damit entsprechend umbaubar sein. Vor diesem gesellschaftlichen Hintergrund kam es zum Patentwagen, dessen hinterer Kasten in verschiedenen Ausführungen lieferbar war:
- als Phaeton mit einer Querbank,
- als Wagonnette («Bregg») mit zwei Längsbänken (zwei- oder vierplätzig) oder
- nur mit Magazin und Deckel.
Die innovative Firma Seitz erweist sich als der einzige schweizerische Kutschenbaubetrieb, der die Umstellung auf Motorfahrzeuge bis heute erfolgreich überstand; die Wagenfabrik Gebrüder Seitz wandelte sich im Verlaufe des 20. Jh. zur Firma MOWAG mit Spezialgebiet Militärfahrzeuge.

